Abnehmen fürs Baby - aber wie?

 

Der unerfüllte Kinderwunsch: Nicht selten ist Übergewicht bei der Frau und/oder beim Mann daran „mitschuld“. Überschüssige Kilos beeinflussen nämlich auf vielfältige Weise die Fruchtbarkeit negativ. Selbst wenn endlich die ersehnte Schwangerschaft eingetreten ist, sind bei Übergewicht die Weichen nicht ideal gestellt.

 

Also heißt es nun: endlich abnehmen für den Traum vom Kind! 

 

Hier erfahren Sie, worauf es beim Abnehmen in der Kinderwunschzeit oder zur Vorbereitung auf eine IVF, ICSI und Co. ankommt.


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Sie möchten schwanger werden und stehen mit Ihrer Waage auf Kriegsfuß?

Zu "dick" um schwanger zu werden?

 

Es ist wirklich kein Ammenmärchen: Starkes Übergewicht bzw. ein zu hoher Fettanteil setzt der Fruchtbarkeit zu, birgt einige Risiken während der Schwangerschaft und kann sich sogar auf die spätere Gesundheit Ihres Kindes auswirken. 

 

Im Detail habe ich die Zusammenhänge zwischen Fruchtbarkeit und hohem Gewicht bereits in einem anderen Blogartikel beschrieben:

 

siehe hier für Übergewicht bei der Frau

siehe hier für Übergewicht beim Mann

 


Gewichtsverlust erhöht Chancen auf Kind

 

Trotz all der negativen Einflüsse von Übergewicht oder Adipositas müssen Sie nun aber nicht verzagen. Denn das Gros der wissenschaftlichen Studien gibt Hoffnung, dass Gewichtsverlust die reproduktiven Funktionen bei Frauen durchaus wieder verbessern kann [Brewer 2010]. Bleiben also zwei Fragen offen: 

 

Frage 1: 

 

Wie viel Gewichtsverlust ist denn nun notwendig um die Chancen auf eine natürliche Schwangerschaft bzw. im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung zu erhöhen?

 

Frage 2:

 

Und Wie zum Teufel soll man den nun am besten abnehmen? 😊


Was Abnehmen wirklich bringt

(oder: die Antwort auf Frage 1)

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Mit Ernährung erst Gewicht verlieren und dann schwanger werden?

 

In einer aktuellen Zusammenfassung der wissenschaftlichen Literatur führten Lebensstilprogramme mit Ernährung und Bewegung bei Frauen zu einem Gewichtsverlust von im Mittel ca. 4 kg. Dieser doch eher milde Gewichtsverlust führte dazu, dass relativ zur Vergleichsgruppe die Ovulationsrate und Zyklusregelmäßigkeit sich verbesserte und 1,6-mal mehr Schwangerschaften eintraten.

Einfluss auf Fehlgeburten gab es allerdings laut dieser Zusammenfassung keinen [Best 2017].

 

Und was ist mit den Männern?

 

Leider fehlen gute Daten zur Auswirkung von Lebensstil-Programmen auf die Fruchtbarkeit von Männern oder auch wenn das Paar zusammen abnimmt [Best 2017]. Diese Informationen wären allerdings dringend notwendig, da gerade beim Thema Kinderwunsch und Übergewicht natürlich nicht nur die Frauen betroffen sind.

 

Abnehmen für die IVF, IUI, ICSI und Co.

 

Wie sieht es nun aber aus, wenn man sich bereits in Kinderwunschbehandlung befindet?

Ist es dann überhaupt noch notwendig oder gar sinnvoll abzunehmen?

 

Ja!

 

Die Wissenschaftler, die die bestehende Literatur zu dieser Frage evaluiert haben, kommen zu dem Schluss, dass übergewichtige oder adipöse Frauen von Gewichtsverlust vor der assistierten Reproduktionsbehandlung profitieren und sprechen deshalb auch eine Empfehlung dafür aus. [Sim 2014a]. 

Viele Frauen wurden durch den Gewichtsverlust dann doch noch sogar auf natürlichem Wege schwanger. Allerdings gab es unter den restlichen Frauen, die die IVF dann noch hatten, erstmal keinen statistischen Unterschied in der Schwangerschaftsrate [Best 2017]. 

 

 

Studie: Moderater Gewichtsverlust halbiert beinahe die Anzahl der für einen positiven Schwangerschaftstest notwendigen Zyklen der assistierten Reproduktion.

 

Und doch könnte der Gewichtsverlust in Folge aber relevant werden: Denn in einer der untersuchten Studien haben adipöse Frauen (d.h. BMI ≥ 30kg/m²) durch Lebensstiländerung (Bewegung, Ernährung) in etwa 6,6 kg verloren, bevor sie sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen. Durch diesen Gewichtsverlust vorab, waren im Anschluss insgesamt weniger Zyklen der assistierten Reproduktion notwendig um eine Schwangerschaft zu erzielen (nämlich durchschnittlich 2,4 anstatt 4,3 Zyklen bei Frauen, die kein Gewicht verloren haben).

 

Auch hier kam es bei denjenigen, die abgenommen haben, zu spontanen Schwangerschaften. Die anderen hatten aber leider nicht das Glück einer überraschenden natürlichen Empfängnis [Sim 2014b]. 

PCO-Syndrom: zuerst Abnehmen, dann Clomifen wirksamer

 

 

Auch bei PCO-Syndrom und Übergewicht könnte es sinnvoll sein, erstmal eine Lebensstiländerung zu vollziehen bevor man medizinische Therapie in Anspruch nimmt. Warum? Das Abnehmen vorab kann nämlich die Erfolgschancen der medikamentösen Therapie dramatisch erhöhen [Legro 2016].

 

In der Studie wurde verglichen, ob eine Lebensstiländerung vor dem Einsatz von Clomifen Vorteile bei Frauen mit PCOS (BMI ca. 35 kg/m²) bringt.

 

Bei sofortiger Gabe von Clomifen ohne Ernährungsberatung und Bewegung kam es zu einer Ovulationsrate pro Zyklus von 44.7 % und einer Lebendgeburtenrate von 10,2 %.

 

Die Frauen hingegen, die zuerst durch Ernährungs- und Bewegungsintervention ca. 6 % ihres Körpergewichts reduzieren konnten und erst danach mit Clomifen begannen, hatten bessere Erfolge. 62% dieser Damen hatten dann Eisprünge und in 25% der Fällen durften die Frauen dann auch ein Baby gebären.

 


Welche Ernährung ist die Beste zum Abnehmen bei Kinderwunsch?

oder: die Antwort auf Frage 2

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Gewichtsreduktion für einen positiven Schwangerschaftstest: Ernährung hilft!

 

 

Der Wille ist nun also da, aber die nächste Frage, die sich auftut, ist: Wie soll ich denn abnehmen? Welche Ernährung oder Diät ist die Beste für mich?

 

Es ist schwierig Ihnen darauf eine Antwort zu geben. Die Ernährungswissenschaft sucht jedenfalls schon Jahrzehnte nach der effektivsten Diät für alle Übergewichtigen. Die Schlussfolgerung lautet aber immer noch so oft (und ich glaube auch auf alle Zeit), dass das Ausmaß des Gewichtsverlusts entscheidend ist, und weniger die Art der Diät (wenn sie halbwegs vernünftig gestaltet ist), mit der dies erzielt wird. Auch aus den oben genannten Studien zu Gewichtsverlust und Schwangerschaft lässt sich nicht eine einzige, überlegene Strategie ablesen.

 

Am besten ist also für Sie wohl in erster Linie die Art von „gesunder“ Ernährung, die Sie auch langfristig umsetzen können. Wenn Sie Ihre Mahlzeiten dabei auch noch auf Ihre individuellen Gegebenheiten/Erkrankungen wie Kinderwunsch, PCOS, Endometriose oder Schilddrüsenerkrankungen etc. abstimmen können, haben Sie gewonnen.

 

Aus meiner Erfahrung aus der Praxis ist es leider meist verschwendete Energie Ihrerseits, z.B. drei Wochen nach dem gesündesten „Abnehmplan“ zu essen, ein paar Kilos zu verlieren, wenn aber für die restlichen 49 Wochen des Jahres der langfristige Plan fehlt. Viele populäre Ernährungsformen sind für die Vorbereitung auf eine Schwangerschaft außerdem NICHT geeignet. Eine Ernährungsfachkraft kann Sie durch den professionellen Blick von außen beim Finden Ihres Weges enorm unterstützen und dabei sicherstellen, dass Sie das aufnehmen, worauf es wirklich ankommt.

Abnehmshakes, Formuladiäten und Co. vor IVF

 

 

Wenn Sie die Ernährungsumstellung zu radikal vollziehen, könnte der Schuss nämlich auch nach hinten losgehen.

In einer kleinen Studie haben Frauen täglich sehr fettarme „Abnehm-Shakes“ (456 kcal pro Tag) getrunken. Sie konnten zwar einen kurzfristigen Gewichtsverlust vor der IVF erzielen. Allerdings kam es dadurch zu negativen Ergebnissen der assistierten Reproduktion [Tsagareli 2006]. Die Studie war zwar sehr klein, aber trotzdem empfahl das Studienteam selbst dann doch eher die langfristigeren, moderaten Maßnahmen um abzunehmen.

 

In einer aktuellen und größeren Studie wurde nun wieder der Effekt der Gewichtsreduktion anhand von „Shakes“ vor einer IVF untersucht.

160 Frauen mit einem BMI zwischen 30 und unter 35 kg/m² tranken 3 Monate lang vor der IVF die Abnehmgetränke. Der Energiegehalt des Shakes war hier mit 880 kcal pro Tag zwar höher als in der älteren Studie, ist aber immer noch als sehr niedrig einzustufen. Die restlichen 157 Frauen dienten als Kontrolle und unterzogen sich nur der IVF. 

 

Die Lebendgeburtenrate in der Shake-Gruppe war nach IVF nur minimal höher (29.6% versus 27.5%), obwohl die Frauen im Schnitt ca. 9,5 kg verloren haben. Auch hier konnten nach der Gewichtsreduktion durch den Shake aber deutlich mehr spontane Schwangerschaften verzeichnet werden (10,5%) als bei der Kontrollgruppe (2,6%) [Finarsson S]. 

 

Adipositas-Op: die Lösung für stark übergewichtige Kinderwunschlerinnen?

 

 

Wenn Lebensstiländerung, Bewegung, Ernährung, Shakes und Co. aber nachweislich nichts gebracht haben, ziehen manche stark übergewichtige Menschen den Schritt in Erwägung sich unters Messer zu legen um endlich abzunehmen.

 

Die Rede ist hier nicht von Fettabsaugungen, sondern von Eingriffen, die das Verdauungssystem chirurgisch so verändern, dass die Aufnahme von Kalorien erschwert wird. Es gibt beispielsweise Verfahren, die das Magenvolumen einschränken (Magenband), oder eben die Aufnahme von Nährstoffen erschweren/vermindern (sog. Malabsorptive Verfahren wie Roux-en-Y Magenbypass oder Biliopankreatische Diversion). Teilweise sind die Eingriffe nicht mehr umkehrbar. Solche Operationen kommen in der Regel auch nur für Personen mit einem BMI von 40 kg/m² infrage.

 

Tatsächlich gibt es schon einige Untersuchungen, die die Effekte von solchen Operationen auf die Fruchtbarkeit und den Kinderwunsch beleuchtet haben.

 

Eine Gruppe an Wissenschaftlern hat eine relativ aktuelle systematische Literaturzusammenfassung dazu erstellt, wie die Adipositas-Chirurgie die Chance auf eine spontane (!) Schwangerschaft wieder verbessern kann. Die Ergebnisse sind sogar ziemlich verblüffend: Nach der OP konnten mehr als die Hälfte der zuvor „unfruchtbaren“ Frauen (58%) spontan schwanger werden [Milone 2016].

 

Aber Achtung, lassen Sie sich nicht täuschen: Frauen, für die eine solche OP infrage kommt, sind in der Regel sehr stark adipös. Der durchschnittliche BMI war mindestens 40 kg/m² oder sogar noch höher. Im Schnitt konnten die Frauen nach der OP 47,3 kg Gewicht (!!) verlieren und ihren BMI um satte 14 kg/m² Punkte senken. Solche gewaltigen Gewichtsreduktionen sind auf „natürlichem Wege“ (d.h. Ernährung, Bewegung) in der Realität meist gar nicht mehr oder nur selten möglich.

 

Einen solchen gravierenden Gewichtsverlust steckt der Körper auch nicht immer so einfach weg. Diese OPs können deshalb nicht als erste Therapie der Unfruchtbarkeit für adipöse Frauen empfohlen werden. Oftmals kommt es nämlich – im Vergleich zur gemächlicheren Gewichtsabnahme bei der Lebensstiländerung – zu einem sehr rasanten Gewichtsverlust und einer plötzlichen, stark eingeschränkten Zufuhrmöglichkeit an Lebensmitteln. Dies kann unter Umständen auch zu Nährstoffmängeln führen, insbesondere wenn die medizinische Ernährungstherapie einer Diätologin oder eines Arztes nicht befolgt wird. Gerade hinsichtlich einer bevorstehenden Schwangerschaft sind Vitamin- und Mineralstoffmängel natürlich dann noch einmal gefährlicher. Zudem fehlt es auch noch an wissenschaftlichen Daten um diese Operationen als Vorbereitung auf eine Schwangerschaft zu befürworten [Brewer 2010].

 

Da der größte Gewichtsverlust nach der Operation meist im ersten Jahr danach stattfindet, lautet die aktuelle Empfehlung, eine Schwangerschaft in dieser Zeit am besten zu verhindern [Maggard 2008]. Der drastische, teilweise unaufhaltsame Gewichtsverlust zu Beginn könnte nämlich einer gesunden Schwangerschaft entgegenstehen. Dem sollten sich Interessentinnen dieser Operationen zuvor durchaus bewusst sein.

 

Tipps zur Gewichtsreduktion bei Kinderwunsch

 

 

1. Beginnen Sie frühzeitig – am besten jetzt – damit, Ihren Lebensstil zu ändern! Das zahlt sich auch hinsichtlich der Erfolge zukünftiger Therapien, Medikamentengaben und Kinderwunschbehandlungen aus!

 

 

2.     Holen Sie bei Kinderwunsch und Übergewicht auch Ihren Partner mit ins Boot – gemeinsam schaffen Sie so eine Grundlage für Ihre gesunde Familie!

 

 

3.     Detox-Kuren, Crash-Diäten und Shakes sind nicht Mittel der ersten Wahl. Eine echte Lebensstiländerung bringt´s auch langfristig: Hier gehören Bewegung, gesunde Ernährung aber auch eine Verhaltensänderung dazu.

 

 

4.     Lassen Sie sich professionell beim Abnehmen unterstützen! Viele haben leider wirklich Scheu davor, und meinen, man müsste das doch selbst schaffen. In anderen Lebensbereichen wie Steuern, Haus bauen oder Bildung aber lassen wir uns ganz selbstverständlich begleiten. Und wenn es um die Gesundheit geht, wollen wir alleine „herumdoktern“?

 

Es ist niemals ein Zeichen des Versagens, es nicht alleine geschafft zu haben und um

Unterstützung zu bitten. Und eines soll noch gesagt sein: Wenn sie nun all die oben genannten

Erfolge dieser Studien im Kopf haben, bedenken Sie: Keiner dieser Menschen hat es alleine

geschafft. Diese Menschen wurden in den Studien durch Fachkräfte mit Programmen,

individuellen Beratungen etc. unterstützt. Und überlegen Sie nun: Wenn es alleine so einfach

wäre, hätten sie es dann nicht auch  dann schon zuvor geschafft?

 

Quellen

 

  • Best (2017) How effective are weight-loss interventions for improving fertility in women and men who are overweight or obese? A systematic review and meta-analysis of the evidence. Hum Reprod Update; 23(6): 681-705
  • Brewer and Balen (2010) Focus on Obesity The adverse effects of obesity on conception and implantation. Reproduction, 140: 347-364
  • Finarsson S (2017) Weight reduction intervention for obese infertile women prior to IVF: a randomized controlled trial. Human Repdroduction; 32(8): 1621-30
  • Legro et al. (2016) Benefit of Delayed Fertility Therapy With Preconception Weight Loss Over Immediate Therapy in Obese Women With PCOS. J Clin Endocrinol Metab 101 (7): 2658-2666
  • Milone et al. (2016) Incidence of Successful Pregnancy After Weight Loss Interventions in Infertile Women: a Systematic Review and Meta-Analysis of the Literature. Obes Surg; 26:443-45
  • Sim (2014) a Does weight loss in overweight or obese women improve fertility treatment outcomes? A systematic review. Obesity Reviews 15: 839-850
  • Sim (2014) b Weight loss improves reproductive outcomes in obese women undergoing fertility treatment: a randomized controlled trial. Clin Obes 4(2):61-8
  • Tsagareli (2006) Effect of a very-low-calorie diet on in vitro fertilization outcomes. Fertility and Sterility; 86 (1): 227-229

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