Wie Übergewicht die Hormonbalance des Mannes zum Kippen bringt

 

Krankhaftes Übergewicht bei Männern stellt ein Problem für das Herz-Kreislaufsystem und den Zuckerstoffwechsel dar – das wissen die Meisten unter uns.

Im Gegensatz dazu finden die Auswirkungen von Übergewicht auf die männliche Fruchtbarkeit, Potenz und Hormone allerdings kaum öffentliche Beachtung. Womöglich, weil es sich um ein Tabuthema handelt und Man(n) nicht gerne darüber spricht?

Wie es dazu kommt, dass der männliche Bierbauch und Winterspeck die Fruchtbarkeit und Hormonbalance durcheinander bringen kann, lesen Sie hier.

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Zu viel Körperfett kann die männliche Hormonbalance aus dem Lot bringen: Testosteron, Insulin, Östrogen u.v.a. sind davon betroffen

Bereits frühes Übergewicht schadet der Fruchtbarkeit

 

Bereits in jungen Jahren kann überschüssiges Körperfett mit Folgen für die männliche Fruchtbarkeit verbunden sein. Fettleibigkeit bei jungen Männern verzögert nämlich tendenziell den Eintritt der Pubertät. Außerdem kann die Adipositas bereits zu diesem Zeitpunkt auch mit einer verminderten Funktion der Hoden verbunden sein [1]. Bekannt ist zum Beispiel, dass Adipositas während der Pubertät das Wachstum und die Vermehrung von Zellen im Hoden (die sogenannten Sertoli-Zellen) unterdrückt, welche für die Spermaproduktion wichtig sind [2]. Warum und wie die Fettleibigkeit darauf Einfluss nimmt, ist aber noch nicht bis ins Detail geklärt.

 

 

Männer mit Übergewicht oder krankhaftem Übergewicht sind um 50% wahrscheinlicher von Unfruchtbarkeit betroffen als ihre normalgewichtigen Genossen [9].

 

 

Fettgewebe als Hormonfabrik

 

Östrogenüberschuss

Bekannt ist aber jedenfalls, dass das Fettgewebe von Männern aus Testosteron Östradiol herstellen kann. Je mehr Körperfett also vorliegt, desto mehr Östradiol entsteht und desto mehr sinken die Testosteronspiegel ab [3].

Das kann bereits in frühen Jahren – bei entsprechendem Fettanteil – zu einem Missverhältnis von „typisch weiblichen“ und „typisch männlichen“ Hormonen führen und so die so wichtige pubertäre Entwicklung beeinträchtigen. Dasselbe hormonelle Ungleichgewicht zwischen Testosteron und Östradiol kann aber natürlich genauso auch erst im Erwachsenenalter entstehen durch überschüssige Fettmasse. 

 

Testosteronmangel durch Fettgewebshormon

Als ob dem nicht schon genug wäre, sorgt noch ein zweiter Mechanismus aus den Fettzellen direkt für niedrige Testosteronspiegel beim Mann: Verantwortlich hierfür ist diesmal das Hormon Leptin, das vom Fettgewebe gebildet wird.

Dieses Hormon ist eigentlich dafür bekannt, dass es eine Art „Sattheitshormon“ darstellt. Je mehr Fettgewebe im Körper vorliegt, desto mehr Leptin wird auch hergestellt. Dieses viele Leptin soll dem Gehirn dann signalisieren, dass der Energiefüllstand im Körper gut ist – Gefühle von Hunger sollen dadurch gemindert und Sattheit gefördert werden. Hohe Leptinspiegel führen allerdings auch dazu, dass im Hoden (in den Leydigschen Zellen) weniger Testosteron gebildet wird [4]. 


Bierbauch führt zu Testosteronmangel

 

Weitere schlechte Nachrichten für Sie, wenn Sie Ihr Fett besonders im Bauchraum (also zwischen den Organen; viszerales Fett) mit sich herumtragen. Dieser typische „Bierbauch“ führt nämlich bei Männern zu stärker erhöhten Östradiol- und verminderten Testosteronwerten als bei anderen Formen der Körperfettverteilung. Verantwortlich dafür ist die erhöhte Aktivität eines Enzyms (Aromatase) speziell im Fettgewebe am Bauch, das für die Umwandlung der Hormone ineinander verantwortlich ist.

Damit aber nicht genug: Die erhöhten Östradiolwerte bewirken bei adipösen Männern, dass die Ausschüttung von Luteinisierendem Hormon (LH) aus der Gehirnanhangsdrüse abnimmt, was zu einer weiteren Reduktion der Testosteronproduktion führt [5]. 

Insulin

Bei krankhaftem Übergewicht und insbesondere bei einer vermehrten Fetteinlagerung am Bauch spielt auch das Hormon Insulin eine wichtige Rolle. Meist liegt es nämlich dann auch in erhöhtem Maße im Körper vor. Insulin ist zwar eigentlich ein Schlüsselhormon im Zuckerstoffwechsel, es greift aber auch in das Regelwerk der Geschlechtshormone beim Mann ein. Denn zu viel Insulin – wie bei Diabetes mellitus Typ 2 und Insulinresistenz – vermindert die SHBG- und die LH-Spiegel wiederum [6].

Sie sehen: Durch viele einzelne Mechanismen kommt es durch Übergewicht zu einer Verschiebung der hormonellen Situation. Teilweise entsteht sogar ein richtiger Teufelskreis, der am besten durch eine Gewichtsreduktion wieder durchbrochen wird.

 

Ein typischer Hormonbefund bei Männern mit Übergewicht sieht so aus [7]:
 

-        Niedrige Testosteronspiegel

-        Verminderte Spiegel von Sexualhormon-bindendem Globulin (SHBG)

-        Verminderte Inhibin B-Spiegel 

-        Erhöhte Östradiol-Spiegel

-        Niedrige LH Spiegel

 


Hormone aus dem Gleichgewicht: Was bedeutet das für den Mann?

 

Eine Verschiebung der männlichen Geschlechtshormone kann schlussendlich Folgen für die Funktionalität der männlichen Geschlechtsorgane bedeuten. Denn schließlich sind es die Hormone, die unseren Hormondrüsen und Organen „sagen“, was sie zu tun haben. Die Spermatogenese wird zum Beispiel durch LH und FSH aus der Gehirnanhangsdrüse und durch Tesosteron, Östradiol und Inhibin aus dem Hoden direkt gesteuert. Werte außerhalb des Normbereichs könnten im Endeffekt z.B. auch die niedrigere Spermienanzahl erklären, die man bei korpulenten Männern beobachtet [8].

 


Was kann Man(n) tun bei Kinderwunsch und Übergewicht?

 

Obwohl viele übergewichtige oder adipöse Männer niedrige Testosteronspiegel aufweisen, haben natürlich auch nicht alle davon bedeutende Probleme mit ihrer Fruchtbarkeit [4]. Wenn Sie aber unerfüllten Kinderwunsch haben oder Ihre hormonelle Situation wieder verbessern möchten, dann achten Sie am besten auf Ihr Gewicht und Ihre Gesundheit. Richtige Ernährung kann einen besonders wichtigen Beitrag für Ihre Fruchtbarkeit als Mann leisten. Bei Übergewicht ist eine Umstellung des Lebensstils außerdem das A&O – ich unterstütze Sie sehr gerne dabei.

 

 


Quellen

 

[1] Wang Y (2002) Is obesity associated with early sexual maturation? A comparison of the association in American boys versus girls. Pediatrics 110: 903–10

[2] Jouannet P, Wang C, Eustache F et al (2001) Semen quality and male reproductive health: the controversy about human sperm concentration decline. APMIS 109: 333–44

[3] Saboor Aftab SA, Kumar S, Barber TM (2013) The role of obesity and type 2 diabetes mellitus in the development of male obesity-associated secondary hypogonadism. Clin Endocrinol (Oxf) 78: 330–7

[4] Teerds KJ, de Rooij DG, Keijer J (2011) Functional relationship between obesity and male reproduction: from humans to animal models. Hum Reprod Update 17: 667–83

[5] Skorupskaite K, George JT, Anderson RA (2014) The kisspeptin–GnRH pathway in human reproductive health and disease. Hum Reprod Update 20: 485–500

[6] Palmer NO, Bakos HW, Fullston T, Lane M (2012) Impact of obesity on male fertility, sperm function and molecular composition. Spermatogenesis 2: 253–63

[7] Val Bullen & Simran Judge (2015) The impact of obesity on male fertility. British Journal of Obesity: Vol 1, No 3: 84-119 http://www.britishjournalofobesity.co.uk/journal/2015-1-3-100

[8] Hammoud AO, Meikle AW, Reis LO et al (2012) Obesity and male infertility: a practical approach. Semin Reprod Med 30: 486–95

[9] Kay VJ, Martins da Silva S (2013) Male obesity – impact on semen quality. In: Mahmood TM, Arulkumaran S (eds). Obesity: A Ticking Time Bomb for Reproductive Health. Elsevier, London: 163–78

 


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