IVF, ICSI und Co.: Warum das Gewicht eine (ge)wichtige Rolle spielt

 

Wenn Paare zu viel auf die Waage bringen, kann dies leider auch eine (ge)wichtige Ursache für den andauernden, unerfüllten Kinderwunsch darstellen. Für viele Betroffene führt dann am Gang ins Kinderwunschzentrum oder zum Spezialisten kein Weg mehr vorbei. Dank der rasanten Fortschritte der Reproduktionsmedizin wird so auch manchmal aus dem Traum vom Kind wunderbare Realität.

 

Allerdings sind die Techniken der assistieren Reproduktion auch oftmals begrenzt. Grundlegende Probleme, die z.B. durch Übergewicht bedingt sind, können durch die Reproduktionsmedizin nicht einfach so ausgeschalten werden, sondern nur bestmöglich umgangen werden. Für Übergewichtige bedeutet das leider, dass ihre Aussicht auf ein Kind – trotz der Kinderwunschbehandlung – kleiner ist. 

 

Was Übergewicht denn nun konkret für Ihre IVF, ICSI und Co. bedeutet und was Sie trotzdem für Ihren Erfolg tun können lesen Sie hier.

Kinderwunschklinik IVF ICSI IUI assistierte Reproduktion Abnehmen Gewichtsreduktion Übergewicht
Mit medizinischer Hilfe zum Wunschkind! Die Waage entscheidet allerdings über den Behandlungserfolg mit.

Hormonchaos durch Hüftspeck

 

Übergewicht beeinträchtigt bereits Ihre natürliche Fruchtbarkeit. Durch einen zu hohen Fettanteil im Körper oder eine ungünstige Fettverteilung kann es zu drastischen Veränderungen des hormonellen Gleichgewichts kommen. Übergewicht verändert die Hormonspiegel und beeinträchtigt dadurch schlussendlich das feinabgestimmte Regelwerk der Fruchtbarkeit – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Doch es bleibt nicht nur bei einem veränderten Hormonstatus.

Info:

Wie und welche Hormone und Blutwerte aus Ihrem Laborbefund mit Ihrem Übergewicht zusammenhängen könnten, lesen Frauen hier und Männer hier am besten nach.

Fruchtbarkeit und Übergewicht

 

Das hormonelle Ungleichgewicht führt schlussendlich dazu, dass ganz konkrete Störungen der Fruchtbarkeit auftreten können. Das senkt die Chancen auf natürlichem Wege schwanger zu werden.

 


Fruchtbarkeit und Kinderwunsch bei der übergewichtigen Frau

 Bei der krankhaft übergewichtigen Frau beeinflusst das Übergewicht [1] 

 

-     …die Reifung der Eizelle

-     …den Eisprung

-     …die Entwicklung der Gebärmutterschleimhaut 

-     …die Uterine Rezeptivität (die Fähigkeit der Gebärmutter eine befruchtete Eizelle aufzunehmen) 

-     …die Implantation (Einnistung)

-     …und Fehlgeburten

 

Zusammengefasst bedeutet das für die Frau: Störungen im ganzen „Prozess“ von der Reifung der Eizelle bis hin zur Schwangerschaft und Geburt sind bei der Frau mit starkem Übergewicht leider zu erwarten.

Übergewicht und Kinderwunsch beim Mann

 

Auch beim Mann kommt es durch krankhaft erhöhtes Gewicht zu Beeinträchtigungen:

 

-     Vermehrte DNA-Schäden im männlichen Samen. Dies bedingt weitere negative Konsequenzen für Befruchtung, Entwicklung, Implantation oder auch Fehlgeburten [2].

-     Verminderte Anzahl und Beweglichkeit sowie veränderte Form der Samenzellen [3]

-     Hormonstatus: es kommt zu einem Missverhältnis von Androgenen und „weiblichen Hormonen“ [3]

-     Erektile Dysfunktion [3]


Was bedeutet das für Sie als Paar?

 

Wenn also bereits einige oder viele dieser Probleme bei Ihnen aufgetreten sind, sind die Aussichten auf eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg leider geringer und medizinische Behandlung und Hilfe könnte notwendig werden. 

Natürlich müssen die Ursachen für die oben beschriebenen Störungen nicht nur auf das Übergewicht zurückzuführen sein. Auch organische Ursachen können (mit)verantwortlich sein. Schließlich gibt es ja auch viele normalgewichtige Paare, die aufgrund anderer Ursachen auf Kinderwunschbehandlungen angewiesen sind

Die Erfolgsaussichten auf ein Kind sind allerdings für die schlankeren Kollegen beim Einsatz derselben medizinischen Verfahren (IVF, ICSI und Co) weitaus besser als die der korpulenteren Eltern in spe.


Die Folgen von Übergewicht in der Kinderwunschklinik

IVF ICSI IUI und Übergewicht bei der Frau

 

Adipositas verschlechtert nämlich das Ansprechen von Frauen auf Maßnahmen der assistierten Reproduktion [1]. Es kommt zu:

 

-    Verlängerte Stimulationsdauer

-    Erhöhter Bedarf an Gonadotropinen um eine wirksame Serum-FSH Konzentration zu erreichen. Bedenken Sie: dies macht ihre Behandlung auch kostspieliger! Aber Achtung: Nicht nur Übergewicht, sondern auch eine bestehende Insulinresistenz hängt mit einer solchen relativen Gonadotropin-Resistenz zusammen

-     Erhöhte follikuläre Asynchronie 

-     Es kommt 35% häufiger als sonst vor, dass Zyklen abgebrochen werden müssen

-     Verminderte Anzahl an Embryonen in ausreichender Qualität welche für Kryokonservierung verfügbar sind 

-     Verminderte Schwangerschaftsraten 

-     Erhöhte Fehlgeburtenrate (53% häufiger als sonst)

-     Um 45% niedrigere Fertilisationsrate bei IVF/ICSI-Verfahren im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen [4]. Die Fertilisationsrate kann durchaus als stellvertretender Marker für die Eizellqualität im Kontext einer IVF-Behandlung gesehen werden [1]

 


IVF ICSI IUI und Übergewicht beim Mann

 

Krankhaftes Übergewicht bleibt auch bei Männern nicht folgenlos hinsichtlich der Erfolge von Kinderwunschbehandlungen: 

 

-     Es kommt bei einer notwendigen ICSI-Behandlung  beispielsweise zu einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit auf eine tatsächliche Lebendgeburt  [5].

 

Resultat:

 

Verschiedene dieser Faktoren, wie die verminderte Einnistungs- und Schwangerschaftsrate, sowie die erhöhte Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten und Komplikationen während der Schwangerschaft resultieren letztendlich in einer verminderten Lebendgeburtenrate für adipöse Paare - trotz Kinderwunschbehandlung.


Jedes Kilo zählt!

 

Bereits bei einem Body Mass Index (BMI) von mehr als 25 kg/m² (das entspricht leichtem Übergewicht) sank die Chance auf eine Schwangerschaft nach IVF-Behandlung. Gleichzeitig war die Fehlgeburtenrate mit 33% erhöht.

 

Ab einem BMI über 30 kg/m² stieg die Fehlgeburtenrate sogar um 53% an [6]. 

 

Eine Erhöhung des BMIs um eine Einheit reduziert die Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft nach IVF bei Frauen um -16%. 

Umgekehrt verbessert sich aber die Erfolgschance um 19% für jede ganze BMI-Einheit weniger [7].

 

Behalten Sie also Ihr Gewicht im Blick. Selbst wenn es Ihnen nicht gelingt abzunehmen, versuchen Sie so gut es geht einer weiteren Gewichtszunahme vorzubeugen!

 

Sie möchten gerne wissen, wie hoch Ihr BMI ist? 

Im Glossar finden Sie einen BMI Rechner: klicken Sie hier!


Body Mass Index: alles was zählt?

 

Aber Achtung: der BMI und die Zahl auf der Waage sollen nicht ihr einziges Augenmerk sein. Denn der BMI bezieht leider nur das Gewicht eines Menschen auf seine Größe. Wie dieses Gewicht (also durch Muskelmasse, Fettmasse etc.) allerdings zustande kommt, erfasst der BMI nicht. Ebenso geben der BMI und das Körpergewicht keine Auskunft darüber, wo genau im Körper die Fettpölster angelegt sind und wie diese verteilt sind.

 

Die Fettverteilung spielt allerdings eine große Rolle für die Fruchtbarkeit. In einer IVF-Studie wurde z.B. die Waist-to-Hip Ratio (WHR) herangezogen um die Körperfettverteilung zu erfassen. Eine WHR von mehr als 0.8 führte bei Frauen zu einer Reduktion der Schwangerschaftsrate auf nur mehr 42%. Das bedeutet, dass diese Frauen im Verhältnis zu Ihrem Hüftumfang zu viel Fettgewebe am Bauch aufwiesen.

Interessanterweise hing der BMI in dieser Studie gar nicht mit dem Erfolg der IVF zusammen [8]. Es geht also nicht immer nur ums Gewicht, sondern auch darum "wo" das Fett gespeichert ist. Eine eher "bauchlastige" Körperfettverteilung ist dabei jedenfalls nachteilig. Behalten Sie deshalb am besten auch Ihren Bauchumfang im Blick (z.B. durch wöchentliches Messen mit einem Maßband). 

 


Zusammenfassung

-        Übergewicht und krankhaftes Übergewicht (Adipositas) führen sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit

 

-        Medikamentengaben oder andere Kinderwunschbehandlungen wie IVF, ICSI und Co. sind weniger erfolgsversprechend, wenn Sie zu viel wiegen

 

-        Wenn Sie überschüssiges Fett aber wieder verlieren, kann dies die zugrundeliegenden Störungen wieder mildern und Ihre Erfolgschance verbessern

 

-        Eine medizinische Behandlung in einer Kinderwunschklinik und Lebensstil-/ Ernährungsberatung schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich perfekt. So schaffen Sie beste Voraussetzungen für Ihr Wunschkind!

 


Quellen

 

[1] Brewer CJ and Balen AH (2010) The adverse effects of obesity on conception and implantation

[2] Dupont C et al. (2013) Obesity leads to higher risk of sperm DNA damage in infertile patients. Asian Journal of Andrology 15, 622-625 

[3] Kinderwunsch Leitfaden Übergewicht und Fruchtbarkeit – ein (ge)wichtiges Problem bei Kinderwunsch. MSD Sharp & Dohme GmbH, Lindenplatz 1, 85540 Haar 

[4] Van Swieten EC et al. (2005) Obesity and Clomiphene Challenge Test as predictors of outcome of in vitro fertilization and intracytoplasmic sperm injection. Gynecol Obstet Invest, 59 (4): 220-4

[5] Colaci DS et al. (2012) Men’s Body Mass Index in relation to embryo quality and clinical outcomes in couples undergoing In Vitro Fertilization. Fertility Sterility; 98(5): 1193-1199

[6] Maheshwari A et al. (2007) Effect of overweight and obesity on assisted reproductive technology—a systematic review. Human Reproduction Update, Vol 13, No 5, 433-444

[7] Ferlitsch K et al. (2004) Body Mass Index, Follicle-Stimulating Hormone and Their predictive value in In Vitro Fertilization. Journal of Assisted Reproduction and Genetics; 21(12): 431-436

[8] Wass P et al. (1997) An android body fat distribution in females impairs the pregnancy rate of in-vitro fertilization-embryo transfer. Human Reproduction 12(9): 2057-60

[9] Chavarro et al. (2012) Body mass index and short-term weight change in relation to treatment outcomes in women undergoing assisted reproduction. Fertil Steril; 98 (1): 109-116


Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Ferdinand Schneider (Donnerstag, 07 Juni 2018 10:13)

    Meine Frau und ich würden gerne ein Baby bekommen, aber wir haben verschiedene Methoden ausprobiert und leider ist meine Frau noch immer nicht schwanger. Vielleicht ist IVF eine Lösung für uns. Zum Glück sind wir für den Rest gesund und wir sind beide nicht übergewichtig.
    http://www.kinderwunsch.at/de/ivf

  • #2

    fertileaty (Freitag, 08 Juni 2018 20:35)

    Lieber Herr Schneider! Schön, dass Sie sich beide bester Gesundheit erfreuen. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihren Weg! Viele Grüße, Judith G.

Artikel/Blog

Kategorien:

PCO-Syndrom, PCOS PCO und Ernährung

 

 

PCO-Syndrom

Essen und Trinken, Ernährung bei Kinderwunsch und schwanger werden

 

 

Kinderwunsch

Kontakt

website: www.fertileaty.com

mail: info@fertileaty.com

instagram: fertileaty

Ernährung rund um die Fruchtbarkeit