Folsäure: das Vitamin für Schwangerschaft und Kinderwunsch

Folsäure Tabletten zum Schwanger werden, bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft.
Folatreiche Lebensmittel sowie Folsäure-Tabletten sind bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft das A&O.

Das Wichtigste, was Sie über Folsäure wissen müssen, wenn Sie schwanger sind oder es werden wollen:

Erfahren Sie...

  • wofür Folsäure eigentlich gut ist
  • wie viel man davon zuführen sollte
  • ob Tabletten oder Lebensmittel zur Bedarfsdeckung ausreichen
  • ab wann und wie lange man Folsäure überhaupt vor und während der Schwangerschaft einnehmen sollte

Lesen Sie hier alle Antworten auf diese wichtigen Fragen und tun Sie so das Beste für Sie und Ihr (zukünftiges) Kind!


Was ist eigentlich Folsäure?   Folsäure bzw. Folat ist ein für uns Menschen essentielles Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine.

Wofür ist Folsäure eigentlich gut?

Allgemeine Aufgaben von Folsäure im Körper:

  • Folsäure/Folat ist an der Bildung unseres Erbmaterials (Nukleinsäuren DNA, RNA) und am Stoffwechsel von Aminosäuren beteiligt [1, 2, 3]
  • Folsäure/Folat ist für die Zellteilung unverzichtbar [4]
  •  Folsäure/Folat ist an der Umwandlung von Homocystein zu Methionin beteiligt [4]

 

Folsäure/Folat trägt somit zur allgemeinen Gesundheit bei

und ist besonders für die werdende Mutter und ihr Kind von größter Bedeutung.


Aufgaben von Folsäure für Mutter und Kind:

  • Die Einnahme von Folsäure-Tabletten (Supplementation) präkonzeptionell (also vor Eintreten der Schwangerschaft) reduziert das Risiko für einen Neuralrohrdefekt (z.B. „Spina Bifida“ oder auch „offener Rücken“ genannt) um rund 70% [5].
    Was ist ein Neuralrohrdefekt?  

Ein Neuralrohrdefekt ist eine angeborene Missbildung / Fehlbildung, die bereits während der Embryoentwicklung (Embryogenese) entsteht.

Das Neuralrohr (vorläufige Struktur des Nervensystems) schließt sich normalerweise zwischen dem 18. und 28. Tag nach der Empfängnis [6]. Wenn es nun allerdings aufgrund eines Mangels an Folsäure zu einer Störung der Verschmelzung des Neuralrohrs kommt, spricht man vom Neuralrohrdefekt. Dieser kann sich als Spina bifida (offener Rücken) oder als Anenzephalie (Fehlen des Großhirns) äußern.

  • Der Einnahme von Folsäure wird häufig auch eine Reduktion anderer Fehlbildungen wie Herzfehler, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zugesprochen [7]. In einer aktuellen Übersichtsarbeit konnten allerdings für diese Statements nicht die ausreichende Evidenz gefunden werden [5].
  • Ein nicht ausreichender mütterlicher Folatstatus wurde auch mit niedrigem Geburtsgewicht oder auch frühzeitiger Entbindung assoziiert [8].

 


 

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Eine ausreichende Versorgung an Folsäure

bereits vor Eintreten der Schwangerschaft

ist entscheidend für die Mutter und die frühkindliche Entwicklung des Kindes.

 

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Folsäurebedarf

Population Folat-Äquivalent in µg/Tag [9]
Zusatz
Frauen im gebärfähigen Alter 300

+ 400µg synthetische Folsäure

spätestens 4 Wochen vor

und bis zum 1. Drittel

der Schwangerschaft

Schwangere 550
Stillende 450

 

Folsäure, Folat und Folat-Äquivalent – was ist eigentlich der Unterschied?

Folat

Folat ist ein wasserlösliches B-Vitamin, das in dieser Form natürlich in Lebensmitteln vorkommt. Natürliches Folat ist allerdings nicht säure- und temperaturbeständig und wird vom Körper schlechter aufgenommen (niedrigere Bioverfügbarkeit) als Folsäure.

Folsäure

Folsäure ist die synthetische Form des B-Vitamins. Sie kann einerseits anhand von Tabletten (Nahrungsergänzungsmittel)  oder über die Anreicherung von Lebensmitteln wie Salz oder Brot aufgenommen werden. Synthetische Folsäure wird vom Körper besser aufgenommen als sein natürlicher Vertreter, das Folat.

Folat-Äquivalent

Aufgrund der unterschiedlichen Aufnahmefähigkeit des Körpers von Folsäure und Folat, wurde der Begriff Folat-Äquivalent entwickelt [4]. Man nimmt an, dass 85% der synthetischen Folsäure (wenn es mit einer Mahlzeit eingenommen wird) erfolgreich aufgenommen werden kann, während nur 50% des natürlich vorkommenden Folats bioverfügbar scheint [1, 2].


Folsäurereiche Lebensmittel zum Schwanger werden, bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft
Eine kleine frische Orange deckt ca. 10% des Tagesbedarfs an Folat-Äquivalenten.

Vorkommen von Folat in Lebensmitteln

 

Eine vollwertige Ernährung kann zur Deckung des Folatbedarfs beitragen:

  • Frisch & knackig: Obst und Gemüse sind für eine gesunde Ernährung unverzichtbar. Blattsalate, Spinat, Tomaten, Orangen sind roh und naturbelassen tolle Folatlieferanten.
  • Auch Grünkohl, Broccoli, Rosenkohl oder Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte enthalten Folat.

Praktische Tipps für Ihre optimale Folatzufuhr [7]:

  • Bereiten Sie Folatquellen möglichst kurz und schonend zu, da Folat licht-, luft- und hitzeempfindlich ist.
  • Bereiten Sie folatreiche Lebensmittel möglichst wassersparend zu. Hierfür eignet sich zum Beispiel leichtes Anbraten oder die Zubereitung im Ofen. Sie können das Koch/Dampf/Dünstwasser aber auch einfach mitkonsumieren. Verwenden Sie den Gemüsesud also weiter für Suppen oder Soßen.  
  •  Kochen und essen Sie frisch! Warmhalten und aufwärmen kann den Folatgehalt der Speise unnötig reduzieren.

 


Zufuhr in der Realität 

50 % der deutschen Frauen nehmen weniger als 185µg Folsäure/Folat auf [10]

 
Nur 13% der deutschen Frauen im gebärfähigen Alter haben ein optimales Erythrozytenfolat [10]

Supplemetation mit Folsäure Tabletten zum schwanger werden und bei Kinderwunsch
Bei Kinderwunsch: Täglich 400µg Folsäure als Nahrungsergänzung einnehmen!

Zusätzliche Supplemetation von Folsäure notwendig!

Eine ausreichende Menge an Folsäure muss bereits VOR der Schwangerschaft zugeführt werden. Die Einnahme von Folsäure-Tabletten erst nach Feststellung der Schwangerschaft reicht üblicherweise nicht mehr aus um das Risiko von Neuralrohrdefekten zu senken [11].

 

Tatsächlich nehmen allerdings weniger als 20 % der deutschen Frauen im gebärfähigen Alter eine zusätzliche Supplementation von Folsäure ein [10].

 


Wieviel Folsäure soll ich in Form eines Nahrungsergänzungsmittels zuführen?

Sie haben Kinderwunsch?

  • Dann nehmen Sie täglich 400µg Folsäure als Supplement ein, zusätzlich zu einer Ernährung reich an natürlich vorkommendem Folat.
  • Setzen Sie diese Empfehlungen mindestens ein Monat vor der Empfängnis um und führen Sie diese die ersten 12 Wochen der Schwangerschaft fort [11].

Wer benötigt noch mehr Folsäure?

Frauen, die bereits ein Kind mit Neuralrohrdefekten hatten, Diabetikerinnen oder Epileptikerinnen benötigen deutlich bzw. moderat mehr Folsäure [12]. Folgen Sie in diesen Fällen den Empfehlungen Ihres Arztes.

 


Geht es auch natürlich, ohne Supplemente?

  • Zahlreiche internationale Fachgesellschaften (WHO 2006, IOM 1998, CDC 1992 und FAO/WHO 1998/2004) empfehlen die Einnahme eines Folsäuresupplements zumindest 1 Monat vor Konzeption. Die Gabe von synthetischer Folsäure trägt erfolgreich zur Minimierung des Risikos für Neuralrohrdefekte bei und wurde durch zahlreiche Studien belegt [13].
  • Angesichts der mangelhaften Versorgung der Allgemeinbevölkerung, der schlechteren Bioverfügbarkeit und der Empfindlichkeit des natürlich vorkommenden Folats in der Nahrung, des erhöhten Bedarfs in der Schwangerschaft, fehlender Hinweise auf weitreichende Nebenwirkungen einer Ergänzung sowie der effektiven Reduzierung des Risikos einer schwerwiegenden und möglicherweise vermeidbaren Fehlbildung bleiben keine Gründe übrig um auf ein Folsäure-Supplement zu verzichten.
Grünes Gemüse als Lieferant für Folate und Folsäure Lebensmittel
Einige Lebensmittel sind folatreich. Trotz folatreicher Kost ist ein Folsäure-Supplement sinnvoll.

Gibt es Nebenwirkungen einer Folsäure-Supplementation?

  • Der Nutzen einer Folsäuresupplementation ist klar und gleichzeitig ist nicht bekannt, dass die Einnahme einer Nahrungsergänzung zwischen 400µg bis zu 1mg Folsäure am Tag Mutter und dem entwickelnden Fötus schaden könnte [12].
  • Die tolierbare obere Einnahmegrenze (Tolerable Upper Intake Levels (ULs)) für Folsäure [1] beträgt 1mg für Frauen sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Höhere Mengen können allerdings unter medizinischer Überwachung bei entsprechender Indikationsstellung doch eingenommen werden.

Risiken durch exzessive Zufuhr an Folat/Folsäure

  • Achtung bei Vitamin B12 Mangel: Große Mengen an Folsäure können einen Vitamin B12 Mangel maskieren. Folsäure kann dann eine megaloblastäre Anämie korrigieren, die eigentlich auf das Defizit von B12 zurückzuführen wäre [4]. Hierbei handelt es sich um große Erythrozyten mit abnormalen Zellkern als Zeichen eines Folat oder Vitamin B12 Mangels [1, 3]. Die unumkehrbaren neurologischen Schäden durch den B12 Mangel werden durch die Folsäuregabe allerdings nicht behoben [4]. Langfristige Einnahme von über 1 Milligramm/Tag kann allerdings einen Vitamin B12-Mangel verdecken [7]
  • Eine übermäßige Zufuhr an synthetischer Folsäure durch Supplementation ist ohne Grund nicht empfehlenswert, da es diesbezüglich noch Bedenken hinsichtlich der Entwicklung eventuell anderer Krankheitsprozesse gibt [4].

Ursachen für einen Folsäuremangel

Ernährungsbedingte Ursachen:

  • Schlechte Bioverfügbarkeit (pflanzliche Bioverfügbarkeit schlechter als in Fleisch)
  • Zubereitungsverluste (Lagerung, Hitze, Licht, Wasserlöslichkeit)
  • Im Rahmen anderer Nährstoffmängel durch mangelhafte Ernährung oder Alkoholismus [3]

 

Erkrankungen und Medikamenten-Einnahme als Ursache:

  • Malabsorption (schlechte, mangelhafte Aufnahme von Nährstoffen): Menschen mit Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) weisen möglicherweise eine reduzierte Folatabsorption auf. Auch eine verminderte Magensäuresekretion (Gastritis, bariatrische Chirurgie etc.) reduziert die Folataufnahme [3].
  • Colitis Ulcerosa: Die Einnahme von Sulfasalazin reduziert die Aufnahme von Folat [14]
  • Epilepsie: Einige Antiepileptika reduzieren die Serumfolatspiegel
  • rheumatoide Arthritis, Psoriasis, Autoimmunerkrankungen: Einnahme von Methotrexat (=Folsäure-Antagonist)

 

Folsäuremangel feststellen

Die Folatkonzentration in Erythrozyten (rote Blutkörperchen) spiegelt die längerfristige Versorgung bzw. Zufuhr an Folaten bzw. besser wider als die reine Serumfolatkonzentration [2]. Daneben könnten auch erhöhte Homocysteinspiegel möglicherweise auf einen Folsäuremangel zurückzuführen sein. Diese können aber auch mit anderen Mängeln wie dem Vitamin B12 Mangel einhergehen [4].

 

Spread the word: verbreite das Folsäure-Wissen!

Nur 6 bis 16% der Frauen wussten, dass Folsäuresupplemente VOR der Empfängnis, also bei Kinderwunsch eingenommen werden müssen um Neuralrohrdefekte zu vermeiden [15]. Leite den Artikel also gerne weiter, denn nur durch rechtzeitige Information kann rechtzeitig und vorbeugend gehandelt werden und so im Endeffekt Defekten vorgebeugt werden! 

 


Quellen

[1] Bailey LB, Gregory JFr (2006). Folate. Present Knowledge in Nutrition. B. Bowman and R. Russell. Washington, DC, International Life Sciences Institute. I: 278-301.

[2] Institute of Medicine. Food and Nutrition Board (1998). Dietary Reference Intakes: Thiamin, Riboflavin, Niacin, Vitamin B6, Folate, Vitamin B12, Pantothenic Acid, Biotin, and Choline. Washington, DC, National Academy Press.

[3] Carmel R (2005). Folic Acid. Modern Nutrition in Health and Disease. M. Shils, M. Shike, A. Ross, B. Caballero and R. Cousins. Baltimore, MD, Lippincott Williams & Wilkins: 470-481.

[4] https://ods.od.nih.gov/factsheets/Folate-HealthProfessional/

[5] De-Regil, Luz Maria, Juan Pablo Peña-Rosas, Ana C. Fernández-Gaxiola, und Pura Rayco-Solon. „Effects and Safety of Periconceptional Oral Folate Supplementation for Preventing Birth Defects“. The Cochrane Database of Systematic Reviews, Nr. 12 (14. Dezember 2015): CD007950. doi:10.1002/14651858.CD007950.pub3.

[6] Greene ND & Copp AJ (2014) Neural tube defects. Annu Rev Neurosci 37, 221-242.

[7] Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit, Leimenrode 29, 60322 Frankfurt/Main, www.ak-folsaeure.de

[8] Scholl TO, Johnson WG (2000). Folic acid: influence on the outcome of pregnancy. Am J Clin Nutr 71(5 Suppl): 1295S-1303S.

[9] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/folat

[10] Nationale Verzehrsstudie II, Max-Rubner-Institut (MRI)

[11] Early Nutrition eAcademy, Kurs Nutrition and Lifestyle  during pregnancy, aufgerufen unter http://www.early-nutrition.org/en/

[12] Wilson 2015, Pre-conception Folic Acid and Multivitamin Supplementation for the Primary and Secondary Prevention of Neural Tube Defects and Other Folic Acid-Sensitive Congenital Anomalies

[13] Pitkin, Roy M. „Folate and Neural Tube Defects“. The American Journal of Clinical Nutrition 85, Nr. 1 (Januar 2007): 285S–288S.

[14] Halsted CH, Gandhi G, Tamura T (1981). Sulfasalazine inhibits the absorption of folates in ulcerative colitis. N Engl J Med 305(25): 1513-1517.

[15] Centers for Disease CC & Prevention (2008) Use of supplements containing folic acid among women of childbearing age--United States, 2007. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 57, 5-8.

 


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