Insulinresistenz beim PCO-Syndrom

Insulin ist ein Hormon, das bei PCO-Syndrom (PCO, PCOS) häufig erhöht ist. Es liegt oft eine Insulinresistenz vor.
Insulin ist zwar ein lebensnotwendiges Hormon. Ein zu Viel davon kann aber auch das Leben erheblich erschweren, besonders für Frauen mit PCO-Syndrom.

Viele Frauen mit PCO-Syndrom (PCOS) wünschen sich, dass die Ursachen, und nicht nur die Symptome ihrer Erkrankung behandelt werden. Alle exakten Gründe fürs PCO-Syndrom sind leider aber immer noch nicht restlos geklärt.

 

Und doch ist ein Phänomen bekannt, das bei vielen Betroffenen des PCOS vorliegt und ursächlich an der Verschlechterung der Symptome beteiligt sein kann: die sogenannte Insulinresistenz.

 

Und nun die gute Nachricht: Sie können dagegen vorgehen und somit die Problematik des PCO-Syndroms mit an der Wurzel anpacken!

 

Aus diesem Grund ist es für alle Frauen mit PCO-Syndrom entscheidend zu wissen, ob eine Insulinresistenz vorliegt oder nicht. Welche Folgen dies mit sich bringt und natürlich: was Sie dagegen tun können!


Überblick

  1. Insulin, Blutzucker & Kohlenhydrate: Erklärung anhand eines Beispiels in drei Schritten
    1. Schritt: Kohlenhydrate
    2. Schritt: Blutzucker
    3. Schritt: Insulin
  2. Was ist Insulinresistenz?
  3. Ursachen, Häufigkeit der Insulinresistenz
  4. kurz- und langfristige Folgen der Insulinresistenz
  5. Teufelskreis: Körpergewicht und Insulinresistenz
  6. Diagnose der Insulinresistenz
  7. Was Sie dagegen tun können!

Über Insulin, Blutzuckerspiegel und Kohlenhydrate

 

Eine alltägliche Situation:

Es ist 16.00 nachmittags und Sie sind bereits zuhause. Sie haben seit 4 Stunden nichts mehr gegessen. Zu Mittag gabs auch nur eine Kleinigkeit, da Sie unterwegs waren. Ihr Magen knurrt deswegen. Sie fühlen sich, als könnten Sie etwas Essbares gebrauchen. Also auf in die Küche, wo Sie sich genüsslich ein Butter-Marmelade-Brot streichen. Etwa eine halbe Stunde nach dem Verspeisen fühlen Sie sich erstmal satt und wohl.

 

Und das ist dabei passiert:

Ihr Blutzuckerspiegel war bereits niedrig, da Sie seit einigen Stunden nichts mehr gegessen haben. Sinkt der Blutzucker ab, zeigt sich dies z.B. durch Hunger. Kohlenhydrate (wie z.B. aus dem Brot) verschaffen dann Linderung, da sie den Blutzuckerspiegel wieder erhöhen können.


Schritt 1: Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sind in folgenden Lebensmitteln enthalten:

  • Getreide und Getreideprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Gemüse
  • Obst
  • manche Milchprodukte
Kohlenhydrate und Insulin bei PCO-Syndrom. Mehl, Reis, Nudeln und Getreideflocken.
Die "typischen" kohlehydrathaltigen Lebensmittel: Nudeln, Flocken, Reis und Mehl.

Kohlenhydrate sind im Prinzip „Zucker“, denn sie bestehen entweder aus einem einzigen oder vielen Zuckermolekülen, die wie eine Kette miteinander verbunden sind.

Im Fall des Butter-Marmeladebrots liegen sowohl einzelne Zucker (in der Maremelade) als auch Zuckerketten (im Brot) vor.

In unserem Verdauungstrakt werden die enthaltenen Kohlenhydrate von Enzymen so weit zerlegt, sodass am Ende nur mehr einzelne Zuckerbestandteile vorliegen. Der Zucker wird nun vom Darm aus ins Blut aufgenommen. Der Blutzuckerspiegel steigt also. Das ist ganz normal und in einem gesunden Ausmaß auch nichts Schlechtes. Sie werden satt und fühlen sich wohl.

Kohlenhydrate und Verdauung. Art der Kohlenhydrate beeinflusst den Blutzuckerspiegel. Insulinresistenz und Ernährung
Das passiert - vereinfacht dargestellt - im Darm. Enzyme spalten die Zuckerketten auf, sodass Zucker in den Körper aufgenommen werden kann.

Schritt 2: Blutzucker

Für uns Menschen ist es lebensnotwendig, dass Zucker in unserem Blut vorliegt. Denn Zucker (genauer gesagt Glucose, Traubenzucker) ist wichtige Nahrung für viele Körperzellen.  Aus diesem Grund sollte immer ein gewisses Maß an Zucker aus dem Blut für unsere Körperzellen bereitstehen.

 

Aber wie überall gilt: die Dosis macht das Gift. Denn sowohl ein zu niedriger, als auch ein zu hoher Spiegel an Zucker im Blut stellt ein Problem dar. Ein gesunder Mensch kann den idealen Blutzuckerspiegel durch ein abgestimmtes Zusammenspiel mehrerer Hormone aufrechterhalten. Zwei dieser lebensnotwendigen Hormone sind Insulin und Glucagon.


Schritt 3: Insulin

 Insulin ist ein Hormon, das nun in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Seine Aufgabe besteht darin, den Blutzucker z.B. nach dem Butter-Marmelade-Brot wieder zu senken. Wie macht es das?

  1. Wenn der Blutzuckerspiegel steigt bzw. gesenkt werden soll, wird Insulin von der Bauchspeicheldrüse aus ins Blut abgegeben.
  2. Das Insulin macht sich von der Bauchspeicheldrüse aus über die Blutbahn auf den Weg und bindet schlussendlich an die Oberfläche einer Zelle, die den Zucker aus dem Blut aufnehmen soll.
  3. Durch diese Bindung wird der Zelle das Signal vermittelt, dass sie nun den Zucker aus der Blutbahn aufnehmen kann.
  4. Der Zucker aus dem Blut strömt durch das Signal des Insulins in die Zelle ein. Der Blutzuckerspiegel im Blut sinkt also ab, die Zelle erhält Energie durch Zucker und die Aufgabe des Insulins ist fürs Erste erledigt.

Sie können sich diesen Vorgang auch als Schlüssel-Schloss-Prinzip vorstellen: der Schlüssel (Insulin) wird ins Schloss eingeführt (Bindung an die Zelle), wodurch das Haus (die Zelle) seine Tür öffnet und den willkommenen Gast (Zucker) hereinlässt.


Was ist nun Insulinresistenz beim PCO-Syndrom?

Die Insulinresistenz alleine wird nicht als eigenständige Krankheit angesehen. Es gibt leider auch noch keine allgemein gültige Begriffserklärung für die Insulinresistenz [1].

 

Insulinresistenz bedeutet aber im Prinzip, dass zwar Insulin im Körper vorhanden ist, es aber nicht mehr seine volle Wirkung an der Zelle entfalten kann [2]. Manche Frauen mit PCO-Syndrom sind sozusagen also etwas „resistent“ gegen die Wirkung des Insulins geworden.

Schuld daran ist aber nicht das Insulin selbst, sondern die Signalweiterleitung in der Zelle. Der Blutzucker kann also nicht mehr so effizient in die Zelle aufgenommen werden. Die Bauchspeicheldrüse stellt als Antwort darauf in vielen Fällen nun mehr Insulin als üblich her (sog. Hyperinsulinismus) – nach dem Motto: viel hilft viel [3].

 

   
 

Die Insulinresistenz bei PCO-Syndrom ist eine Störung der Zuckerverwertung nach Mahlzeiten [4].

   

mögliche Ursachen der Insulinresistenz:

Apfel-Typ (Fett am Bauch) und Birnen-Typ (Fett an Gesäß und Hüfte) in Zusammenhang mit Insulinresistenz und PCO-Syndrom
Apfel-Typ: bauchbetonte Fettverteilung. Birnen-Typ: Hüftbetonte Fettverteilung.
  • PCO-Syndrom
  • Übergewicht vor allem im Bauchbereich (viszerale Adipositas). Das entspricht einem Fettverteilungsmuster vom „Apfel-Typ“ [2]. Dieses Fettverteilungsmuster besteht typischerweise beim PCO-Syndrom. Die Neigung dazu besteht auch bei vielen schlanken Frauen mit PCOS.
  • Fetale Mangelernährung [2]
  • Genetische Veranlagung [2]

Wie häufig ist die Insulinresistenz beim PCO-Syndrom?

Die Häufigkeit der Insulinresistenz bei PCOS mag vielleicht überraschen, da sie sogar in einem ähnlichen Ausmaß wie die klassischen gynäkologischen Symptome auftreten kann. 71% der deutschen Frauen mit PCO-Syndrom wiesen in einer Studie Insulinresistenz (diagnostiziert nach HOMA-IR > 2,5) auf [5]. Auch wenn Übergewicht das Auftreten einer Insulinresistenz fördert, können auch junge, schlanke Frauen mit PCO-Syndrom von dieser Störung der Insulinwirkung betroffen sein. In einer anderen Studie wiesen immer noch knapp die Hälfte (47 %) der schlanken Frauen (BMI<25) mit PCO-Syndrom Insulinresistenz auf [6].

   
  Mehr als jede zweite Frau mit PCO-Syndrom ist wahrscheinlich von Insulinresistenz betroffen.
   

"kurzfristige" Folgen der Insulinresistenz

Was bedeutet es nun also für eine Frau mit PCO-Syndrom insulinresistent zu sein? Erhöhte Insulinspiegel bewirken...

  • eine erhöhte Testosteronproduktion bei PCOS im Eierstock [7]
  • dass in der Leber weniger SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) hergestellt wird [8]. SHBG bindet eigentlich Testosteron. Das ist eigentlich gut so, denn dadurch kann das gebundene Testosteron nicht mehr wirken. Ist SHBG aber nun vermindert, wie so oft beim PCO-Syndrom, steht nun noch mehr vom (ohnehin bereits erhöhten) Testosteron im Körper bereit.

Die Insulinresistenz trägt also gleich durch zwei Faktoren zu erhöhten Androgenspiegeln bei PCOS bei. Zahlreiche Symptome des PCOS (z.B. Haarausfall) sowie die Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit durch erhöhte Androgenspiegel könnten als Konsequenz der Insulinresistenz betrachtet werden [1].


"langfristige" Folgen der Insulinresistenz

Eine vorliegende Insulinresistenz könnte für Frauen mit PCO-Syndrom der erste, ernstzunehmende Hinweis auf ein bestehendes Risiko für das metabolische Syndrom sowie für koronare Herzerkrankungen sein [1]. Das metabolische Syndrom beinhaltet Symptome wie starkes bauchbetontes Übergewicht, Fettstoffwechselstörung (erhöhte Blutfette), Bluthochdruck sowie Zuckerstoffwechselstörung (Insulinresistenz oder Diabetes).


Insulin und Gewicht: ein Teufelskreis