PCO - Syndrom: Bin ich betroffen?

Ein "typischer" 28-Tage-Zyklus ist für Sie eher Ausnahme als die Regel? Kommt Ihre Menstruation regelmäßig erst nach Zyklustag (ZT) 35?

 

Hinter dem Anzeichen häufig verlängerter Zyklen (> 35 Tage) könnte sich die häufigste hormonelle Erkrankung bei Frauen im gebärfähigen Alter verbergen: das PCO-Syndrom (Polyzystisches Ovarsyndrom).

 

Erfahren Sie hier mehr über diese Störung und ob Sie betroffen sein könnten.

Überblick

Dieser Artikel vermittelt einen kurzen Überblick über die Diagnostik des PCO-Syndroms und beantwortet Ihnen folgende Fragen:

  • Was ist das PCO - Syndrom?
  • Welche Symptome treten bei PCO - Syndrom auf?
  • Wie diagnostiziert man das PCO - Syndrom?
  • Was kann ich nun tun?

Was ist das PCO-Syndrom?

Das PCO-Syndrom steht für Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS). Namensgebend für dieses Syndrom war die Beobachtung, dass betroffene Frauen eine vermehrte (="poly") Ansammlung von Follikeln bestimmter Größe im Eierstock (="ovar") aufweisen. Fälschlicherweise wurden diese Follikel damals bei der Namensgebung als "Zysten" bezeichnet. Korrekterweise müsste man eigentlich vom Polyfollikulären Ovarsyndrom sprechen (wie vorgeschlagen in [1]). Da sich allerdings der Begriff PCO-Syndrom eingebürgert hat, wird auch im Folgenden immer dieser Begriff verwendet.

Symptome

Frauen mit PCO-Syndrom können viele unterschiedliche Symptome aufweisen. In einer Übersichtsarbeit von 2014 [2] wurden Daten über die Symptomatik des PCOS aus mehreren Studien zusammengetragen, welche in folgender Tabelle veranschaulicht werden sollen.

Symptome (assoziiert mit dem PCO-Syndrom)

Häufigkeit; Angaben gerundet und

Quellen in [] sek. zit. nach [2]

"klassische" Symptomatik:  
Hirsutismus ? 73 % - 84 % [3,4,5]
Akne 50 % - 63 % [4,5,6]
Alopezie (Haarausfall) ? 16 % - 35 % [6,7]
Oligomenorrhoe ? 20 % - 74 % [4,5,8]
Amenorrhoe ? 22% - 43 % [4,5,8]
Polyzystische Ovarien im Ultraschall 83 % - 97 % [4,8,9]
Symptome des Stoffwechsels:  
Adipositas 42 % - 80 % [9,10,11]
Insulinresistenz 71 % - 77% [9, 12]
Hypertonie (erhöhter Blutdruck) 9 % - 21 % [10, 13]
Dyslipidämie (Störung der Blutfettwerte) 32 % - 46 % [9, 10]
   

Tab. 1: Diese Tabelle wurde als Auszug und in Anlehnung an die Originalpublikation [2] erstellt. 

 

Zwei Dinge werden beim Betrachten dieser Tabelle ersichtlich:

  1. Es gibt zwei Körperfunktionen, die bei PCOS beeinträchtigt sein können: die reproduktiv-/gynäkologische sowie die metabolische Funktion unseres Körpers.
  2. Nicht alle Frauen mit PCOS sind von allen Symptomen betroffen. Die Ausprägung kann sehr individuell sein. Bei einigen Frauen stärker, bei anderen wiederum schwächer.

Diagnose

Aufgrund der so unterschiedlichen Ausprägungen des Syndroms wird auch in der Fachwelt immer wieder diskutiert, welche Symptome nun maßgeblich am PCOS beteiligt sind und für eine Diagnose herangezogen werden können. Bis heute gelten die sogenannten Rotterdam-Kriterien [14] als Diagnoseleitfaden der Wahl.

 

Um die Diagnose "PCOS" stellen zu können, müssen zwei der folgenden drei Symptome vorliegen und gleichzeitig andere Ursachen hierfür ausgeschlossen werden.

 

  Rotterdam Kriterien, 2003 (2 von 3 Kriterien) nach [14]
   
1 Verlängerte Zyklen ohne Eisprung (Anovulation) bzw. seltenen Eisprüngen (Oligoovulation)    
2 erhöhte "typisch männliche" Hormone und/oder biochemische Zeichen davon    
3 Polyzystische Ovarien (sichtbar im Ultraschall)    
       
   + Ausschluss anderer Ursachen (z.B. Morbus Cushing, androgenbildende Tumoren)

Laut Rotterdam Kriterien werden also nur gynäkologisch relevante Symptome zur Diagnosestellung einbezogen.

 

Eine Frau kann also laut Definition vom PCO-Syndrom betroffen sein ohne überhaupt polyzystische Ovarien zu haben. Beispielsweise, wenn ihre Regelblutung stets nach 35 Tagen auftritt (Kriterium 1: Oligomenorrhoe) und sie im Blut vermehrte männliche Geschlechtshormone, wie z.B. Testosteron (Kriterium 2: Hyperandrogenämie) aufweist und andere Ursachen hierfür ausgeschlossen werden konnten.

Und nun?

Wenn Sie nun vermuten unter dem PCO-Syndrom zu leiden, leiten Sie bitte folgende Schritte ein:

  1. Vereinbaren Sie einen Termin beim Gynäkologen Ihres Vertrauens.
  2. Sprechen Sie Ihren Frauenarzt auf Ihre Vermutung an und schildern Sie Ihre Symptome. Ihr Frauenarzt wird nun Untersuchungen (Blutparameter, Ultraschall...) veranlassen, welche Aufschluss über die zugrundeliegenden Ursachen geben sollten.
  3. Entwickeln Sie zusammen einen medizinischen Behandlungsplan für Ihre (sowohl gynäkologische wie metabolische) Symptome.
  4. Zuletzt können Sie selbst aktiv werden: Achten Sie auf ausreichend Bewegung, auf Ihr Körpergewicht und Ihre Ernährung (erfahren Sie hier mehr darüber).
  5. Engagieren Sie sich, wenn Sie möchten, in einer PCOS-Selbsthilfegruppe und tauschen Sie sich mit Leidgenossinnen aus.

 

Sind Sie vom PCO-Syndrom betroffen? Wie haben Sie damals davon erfahren?

Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

 

 

Quellen

[1] „Commentary: Polycystic ovarian disease (PCOD): a misnomer, looking for a new name. - PubMed - NCBI“. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15481485.

[2] Rojas, Joselyn, Mervin Chávez, Luis Olivar, Milagros Rojas, Jessenia Morillo, José Mejías, María Calvo, und Valmore Bermúdez. „Polycystic Ovary Syndrome, Insulin Resistance, and Obesity: Navigating the Pathophysiologic Labyrinth“. International Journal of Reproductive Medicine 2014 (2014): 719050. doi:10.1155/2014/719050.

[3] Marcondes, José Antonio M., Sylvia A.Y. Hayashida, Cristiano R.G. Barcellos, Michelle P. Rocha, Gustavo A.R. Maciel, und Edmund C. Baracat. „Metabolic Syndrome in Women with Polycystic Ovary Syndrome: Prevalence, Characteristics and Predictors“. Arquivos Brasileiros de Endocrinologia & Metabologia 51, Nr. 6 (August 2007): 972–79.

[4] Baldani, Dinka Pavicić, Lana Skrgatić, Marina Sprem Goldstajn, Gordan Zlopasa, Sasa Kralik Oguić, Tomislav Canić, und Amanda Nicole Piljek. „Clinical and Biochemical Characteristics of Polycystic Ovary Syndrome in Croatian Population“. Collegium Antropologicum 36, Nr. 4 (Dezember 2012): 1413–18.

[5] Jedel, E., M. Waern, D. Gustafson, M. Landén, E. Eriksson, G. Holm, L. Nilsson, A.-K. Lind, P. O. Janson, und E. Stener-Victorin. „Anxiety and Depression Symptoms in Women with Polycystic Ovary Syndrome Compared with Controls Matched for Body Mass Index“. Human Reproduction (Oxford, England) 25, Nr. 2 (Februar 2010): 450–56. doi:10.1093/humrep/dep384.

[6] Ozdemir, Suna, Mustafa Ozdemir, Hüseyin Görkemli, Aysel Kiyici, und Sait Bodur. „Specific Dermatologic Features of the Polycystic Ovary Syndrome and Its Association with Biochemical Markers of the Metabolic Syndrome and Hyperandrogenism“. Acta Obstetricia Et Gynecologica Scandinavica 89, Nr. 2 (2010): 199–204.

[7] Sivayoganathan, Dhakshana, Deivanayagam Maruthini, Julie M. Glanville, und Adam H. Balen. „Full Investigation of Patients with Polycystic Ovary Syndrome (PCOS) Presenting to Four Different Clinical Specialties Reveals Significant Differences and Undiagnosed Morbidity“. Human Fertility (Cambridge, England) 14, Nr. 4 (Dezember 2011): 261–65. doi:10.3109/14647273.2011.632058.

[8] Valkenburg, Olivier, Regine P. M. Steegers-Theunissen, Huberdina P. M. Smedts, Geesje M. Dallinga-Thie, Bart C. J. M. Fauser, Egbertine H. Westerveld, und Joop S. E. Laven. „A More Atherogenic Serum Lipoprotein Profile Is Present in Women with Polycystic Ovary Syndrome: A Case-Control Study“. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 93, Nr. 2 (Februar 2008): 470–76. doi:10.1210/jc.2007-1756.

 [9] Hahn, S., S. Tan, S. Elsenbruch, B. Quadbeck, B. L. Herrmann, K. Mann, und O. E. Janssen. „Clinical and Biochemical Characterization of Women with Polycystic Ovary Syndrome in North Rhine-Westphalia“. Hormone and Metabolic Research = Hormon- Und Stoffwechselforschung = Hormones Et Metabolisme 37, Nr. 7 (Juli 2005): 438–44. doi:10.1055/s-2005-870236.

 [10] Ehrmann, David A., David R. Liljenquist, Kristen Kasza, Ricardo Azziz, Richard S. Legro, und Mahmoud N. Ghazzi. „Prevalence and Predictors of the Metabolic Syndrome in Women with Polycystic Ovary Syndrome“. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 91, Nr. 1 (1. Januar 2006): 48–53. doi:10.1210/jc.2005-1329.

 [11] Azziz, Ricardo, Keslie S. Woods, Rosario Reyna, Timothy J. Key, Eric S. Knochenhauer, und Bulent O. Yildiz. „The Prevalence and Features of the Polycystic Ovary Syndrome in an Unselected Population“. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 89, Nr. 6 (Juni 2004): 2745–49. doi:10.1210/jc.2003-032046.

[12] Carmina, Enrico, und Rogerio A. Lobo. „Use of Fasting Blood to Assess the Prevalence of Insulin Resistance in Women with Polycystic Ovary Syndrome“. Fertility and Sterility 82, Nr. 3 (September 2004): 661–65. doi:10.1016/j.fertnstert.2004.01.041.

[13] Elting, M. W., T. J. Korsen, P. D. Bezemer, und J. Schoemaker. „Prevalence of Diabetes Mellitus, Hypertension and Cardiac Complaints in a Follow-up Study of a Dutch PCOS Population“. Human Reproduction (Oxford, England) 16, Nr. 3 (März 2001): 556–60.

[14] Rotterdam ESHRE/ASRM-Sponsored PCOS Consensus Workshop Group. „Revised 2003 Consensus on Diagnostic Criteria and Long-Term Health Risks Related to Polycystic Ovary Syndrome“. Fertility and Sterility 81, Nr. 1 (Januar 2004): 19–25.

 

 


 


Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Frau Greizi (Montag, 19 Februar 2018 17:43)

    Liebe Frau Greimel,
    mit großem Interesse verfolge ich Ihren Blog. Können Sie mir die beiden Körperfunktionen (reproduktiv-/gynäkologische sowie die metabolische), die beeinträchtigt sein können, näher beschreiben?

  • #2

    Judith - fertileaty (Montag, 26 Februar 2018 13:11)

    Liebe Frau Greizi,
    Herzlichen Dank für Ihr Feedback! Da haben Sie recht, diese Fachbegriffe habe ich wohl nicht gut genug erklärt. Die reproduktiv-/gynäkologischen Körperfunktionen spiegeln sich jedenfalls in den "klassischen" Symptomen des Syndroms wieder und die metabolischen in den Symptomen des Stoffwechsels. Beispiele für beide Körperfunktionen finden Sie in der Symptomtabelle. Herzlichen Gruß, Judith Greimel

Artikel/Blog

Kategorien:

PCO-Syndrom, PCOS PCO und Ernährung

 

 

PCO-Syndrom

Essen und Trinken, Ernährung bei Kinderwunsch und schwanger werden

 

 

Kinderwunsch

Kontakt

website: www.fertileaty.com

mail: info@fertileaty.com

instagram: fertileaty

Ernährung rund um die Fruchtbarkeit